Münsters Rückblick 

Wie in jedem Jahr ist der Preis für das  Vormaterial P250GH/C22.8 nach dem chinesischen Neujahrsfest gestiegen. Im gesamten Februar schwankten die Preise. Zum Monatsende betrug die Steigerung etwa 10% im Vergleich zum Wert vor dem Fest.

Im Januar gab es beim Vormaterial im Edelstahlbereich ebenfalls Preissteigerungen; diese blieben jedoch einstellig.

Allgemeine Preisentwicklung Flansche und Rohstoffe

Direkt nach dem chinesischen Neujahrsfest stiegen die Preise für P250GH circa um 5%. Mitte Februar stieg der Wert dann fast stündlich und erreichte einen Peak mit Steigerungen um etwa 25%. Zum Monatsende beruhigte sich der Markt etwas und die Steigerung lag bei etwa 20%.

Das Vormaterial für Edelstahl stieg weiterhin; jedoch lediglich im moderaten einstelligen Prozentbereich.

Der im Dezember  begonnene Trend nach unten bei den Preisen für Kokskohle FOB Australien setzte sich auch im Februar fort. Der Preis lag zum Monatsende auf dem Niveau von 2012. Der einzige Grund für den Preisverfall ist der unnatürliche rasante Anstieg der Preise in 2016. Der Preisverfall ist sozusagen eine Gesundkur.

Situation in China 

 

Nach dem Neujahrsfest sind die Chinesen langsam wieder ins Business eingestiegen. Wie üblich jedoch mit reduzierter Mannschaft. Auch in diesem Jahr sind viele Arbeiter verspätet oder gar nicht aus den Ferien zurückgekehrt.

Von unseren Partnern im Bereich Edelstahl wird uns berichtet, dass für den kommenden Monat starke Preissteigerungen zu erwarten sind. Wirklich erklärlich ist diese Ankündigung nicht, aber es gibt Anzeichen, die diesen Verdacht begründen. So haben z.B. zahlreiche Edelstahlhersteller Mitte Februar für eine Woche keine Angebote abgegeben, da sie Preissteigerungen erwarteten und hiervon profitieren wollten. Die erwarteten  Steigerungen sind dann auch genauso eingetreten.

Das wird die Situation für unsere chinesischen Partner noch schwieriger machen. Aktuell leiden die Hersteller bereits stark unter den extrem niedrigen Preisen, die aus Indien kommen. Am indischen Preisniveau hat sich auch durch die Einführung des 3,7%igen  EU-Importzolls nichts geändert.

Die Entwicklung der letzten Jahre hat dazu geführt, dass in der Region, in der die Hersteller für Flansche aus Edelstahl ansässig sind, eine empfindliche Auslese stattgefunden hat. Von etwa 100 Herstellern vor circa fünf Jahren, sind nun lediglich 20 bis 30 Fabriken übergeblieben. 

Im Bereich C-Stahl Flansche setzt sich der Aufwärtstrend bei den  Vormaterialpreisen für P250GH – wenn auch mit starken Schwankungen – weiter fort. Mitte des Monats war der bisherige Höchststand erreicht, um dann zum Ende des Monats etwas abzuschwächen. Dennoch bewegt sich die Preissteigerung im hohen zweistelligen Bereich.

Unsere Partner erwarten, dass die Preise weiterhin steigen.

Die Ursachen für die Preissteigerung sind letztendlich globaler Natur. Um den Anforderungen der westlichen Welt im Hinblick auf Anti-Dumping-Preise zu genügen, muss China  seine Stahl-Überproduktion abbauen. Eine der Maßnahmen der chinesischen Regierung ist die Schließung von Stahlwerken.

Von der EU wird China vorgeworfen, dass diese Maßnahmen viel zu halbherzig umgesetzt werden und die Stahl-Produktion in 2016 nicht in einem befriedigenden Umfang zurückgefahren wurde. Weitere Strafzölle sind die Folge und ein empfindlich gestörtes Gleichweicht in der Stahlbranche.

Die Schließung der Stahlwerke hat jedoch für das Vormaterial P250GH zu einer Verknappung geführt. Diese Verknappung lässt die Preise explodieren. Es geht wieder um reine Beschaffbarkeit sowie schlichte Marktgesetze. Allerdings nur auf Seiten der chinesischen Käufer. Denn diesseits des Ozeans bereiten die unaufhörlich steigenden Preise den Händlern Kopfschmerzen.

Binnenmärkte 

Laut ifo (Institut für Wirtschaftsforschung) ist der Geschäftsklimaindex in der Stahlbranche im Februar 2017 leicht gestiegen.

Wir bei der LPC beobachten einen starken Anstieg im potentiellen Projektgeschäft. Das nicht nur saisonbedingt, sondern im direkten Vergleich mit dem Wert des Vorjahresmonat.  Mit einer wirklichen und spürbaren konjunkturellen Verbesserung ist jedoch im Moment nicht zu rechnen. Doch es sind eindeutige positive Impulse zu beobachten.

Im gesamten Stahlbereich hat der Binnenmarkt mit Dumpingpreisen aus China zu kämpfen und die Zahl der verhängten Antidumpingmaßnahmen steigt.

Bis auf den Bereich der Flansche. Hier ist die Entwicklung in den letzten Monaten komplett gegenteilig. Tatsächlich kommt es in den letzten Wochen vor, dass Flansche bestimmter Abmessungen bei Produktion in Europa oder auch im Handel günstiger eingekauft werden können als auf China-Basis.

Ausblick oder mein Blick in die Glaskugel 

 

Diesesmal ist mein Ausblick mehr eine Analyse als ein Blick in die Glaskugel.

Fakt ist, dass die Billigpreise, die sich in den vergangenen Jahren am Markt etabliert hatten, ungesund sind. Dumpingpreise sind nie gesund und nie perspektivisch erfolgreich. In unserer Branche sind die Margen immer weiter geschrumpft und für den Gegenwert eines Flansches DN 100 PN 16 konnte man vor wenigen Wochen nicht einmal ein Mittagessen kaufen. Für ein Produkt, das eine Vielzahl von Produktionsschritten durchlaufen ist und durch die halbe Welt transportiert wurde.

In den letzten Monaten waren sich Kunden, Lieferanten und sonstige Partner  in zahllosen Gesprächen einig, dass eine Preissteigerung für alle gesund sei.

Soweit die Theorie. Doch nun stehen wir an einem Scheideweg. Wir wissen nicht, wie sich die Preise in China entwickeln werden. Vor jedem anstehenden Lagereinkauf fragen sich unsere Kunden voller Sorge, ob sie zum richtigen Zeitpunkt einkaufen. Die Angst zu einer Peakzeit einzukaufen und dann von fallenden Preisen eiskalt erwischt zu werden, ist groß und präsent.

Jedes Unternehmen geht unterschiedlich mit dieser Situation um. Manch einer verschiebt seine Lageraufstockung und deckt seine Zwischenbedarfe im Handel. Andere Großhändler hingegen kaufen im europäischen Ausland ein. Und wieder andere kaufen weiterhin auf chinesischer Basis ein und halten ihre Läger prall gefüllt.

Letztendlich entscheiden wir alle mit, wie sich der Markt weiter entwickeln wird. Irgendwann ist das letzte Lager leer, die rar gesäten europäsichen Hersteller  werden komplett ausgebucht sein, was wiederum auch dort steigende Preise und noch längere Lieferzeiten zur Folge haben wird. Zwischenzeitlich wird der chinesische Herstellermarkt ausgedünnt werden. Wer keine Reserven hat, wird vom Markt verschwinden.

Spätestens dann werden sich die gestiegenden Preise auch bei Ihren Endkunden durchsetzen lassen. 

Natürlich kann sich auch alles ganz anders entwickeln.

Doch ich wünsche Ihnen und uns, dass sich gesunde Preise nachhaltig am Markt  durchsetzen.

Und ich wünsche Ihnen ein glückliches Händchen beim Einkauf zur richtigen Zeit und am richtigen Ort. Wenn wir Sie dabei unterstützen sollen, spreche Sie uns gerne an.

Dynamische Grüße aus Bremen – lassen Sie es sich gut gehen!

Claudia Münster