Münsters Rückblick 

Die ersehnte Stabilisierung der Preise für das Vormaterial P250GH, von der viele in der Branche hofften, dass sie durch den Preistillstand im März eingeläutet worden sei, ist nicht eingetreten. Stattdessen fiel der Preis im April – wenn auch mit Schwankungen.  Auch wenn der Preis für P250GH noch deutlich über dem  absolutem Tiefstand vor Beginn der Preissteigerungen, beginnend im letzten Quartal 2016, liegt.

Allgemeine Preisentwicklung Flansche und Rohstoffe 

 

Ausgehend vom Niveau zu dem Beginn des Aprils ist der Preis für P250GH um insgesamt  etwa 4% gesunken. Mitte April war der absolute Tiefstand. Zum Ende des Monats hin stiegen die  Preise wieder. (Anmerkung der Redaktion: In den ersten Mai-Tagen hielt dieser Trend an).

Bezogen  auf den Höchststand des Vormaterials P250GH Mitte Februar 2017 –  direkt nach dem chinesischen Neujahrsfest – sind die Preise bis Ende April um 22% gesunken. Da zu Beginn des Mai wieder Verteuerungen zu beobachten sind, ist diese Feststellungnun wiederum zu relativieren.

Ähnlich unsicher ist die Situation für den Edelstahlbereich; auch wenn es hier keine vergleichbaren Preisschwankungen gibt. Doch vergleichbar ist, dass die zukünftige Entwicklung überhaupt nicht einschätzbar ist. Trotz Nickelpreisen auf Tiefstständen und keiner zu erwartenden Erholung, wird befürchtet, dass es schmerzhafte Preissteigerungen beim Edelstahl geben könnte.

Ursache hierfür ist also weniger die Material-Situation, als vielmehr die deutlich gestiegenen Produktionsmengen. Auch hier ist wiederum China der Verursacher. Also wiederum Steigerung der Produktionsmengen ohne korrespondierenden tatsächlich gestiegenen Bedarf. Dies kann auf lange Sicht nur zu neuen Problemen führen. Tatsächlich wird befürchtet, dass dieser Zustand zu einer künstlich erzeugten Verknappung von Nickel und Eisenerz führen könnte.

Situation in China 

 

Die Produktions- und damit auch die Preissituation in China ist maßgeblich von der sogenannten „Supply-side Structural Reform“ bestimmt. Die chinesische Regierung hat die Maßnahme angeordnet. Weniger um dem globalen Druck nachzugeben, als vielmehr um die chinesische Wirtschaft zu unterstützen.

Diese Reformmaßnahme hat den Beginn der Preissteigerungen im 3. Quartal 2016 ausgelöst bzw. eingeleitet, denn die Stahlhersteller waren in dieser Zeit gezwungen ihre Lagerbestände zu reduzieren, was wiederum die fallenden Preise ausgelöst hat.

Auch wenn die aktuellen Schwankungen allein mit diesem Konzept nicht zu erklären ist, gehen wir davon aus, dass auch die Unsicherheiten der europäischen Kunden bezüglich der Kaufentscheidung in Anbetracht der absolut instabilen Preise, immer wieder für Bewegung innerhalb des Preisgefüges sorgen.

Generell wird in China damit gerechnet, dass erst im Juli eine stabile Preissituation eintreten wird. Wobei auf chinesischer Seite noch niemand die Prognose wagt, auf welchem Level sich die Preise stabilisieren werden.

Binnenmärkte 

 

Auch wenn es noch keinen Grund zur überschäumenden Erleichterung gibt, hält in Deutschland der Trend, dass der sogenannte sichtbare Stahlverbrauch sich erhöht hat, an. Im Q1 2017 ist dieser Wert um 2,1 % gestiegen.

Die  brennendsten Themen im europäischen Wirtschaftsraum sind weiterhin die anstehende Reform des Emissionsrechtehandels, von der erwartet wird, dass sie zu extremen Beeinträchtigungen des europäischen Stahlhandels führen wird.

Das zweite brandaktuelle Thema, ist ungebrochen die Frage danach, wie mit geeigneten Sanktionen die Verzerrung des Marktes durch Dumpingpreise aus China unterbunden werden kann. Im Vergleich zu den Maßnahmen, die z.B. den USA zur Verfügung stehen, sind die Handlungsmöglichkeiten der EU sehr überschaubar. Insbesondere seit dem Auslaufen des WTO Beitrittsprotokolls China betreffend im Dezember 2016. Die EU bewegt sich hierbei im Spannungsfeld zwischen geeigneten Maßnahmen ohne protektionistisch unterwegs zu sein.

Diese globale angespannte Situation wiederum gefährdet die leichte Entspannung, die es eigentlich im deutschen Stahlmarkt  gibt. Letztendlich ist das Umgehen mit diesem Spannungsfeld global und national in der Stahlbranche wahrscheinlich exemplarisch dafür, wie zukünftig derartige Situationen behandelt werden.

Ausblick oder mein Blick in die Glaskugel 

 

Ein analytisch auf Fakten und Sachargumenten basierender Ausblick ist nicht möglich, da eben nicht harte Fakten, wie gestiegene Kosten für Rohstoffe oder andere Umstände zur Beurteilung herangezogen werden können. Es ist eine Situation, die insbesondere von der globalen Politik und Weltwirtschaftslage beeinflusst wird.

Was ich aber berücksichtigen kann, ist die Macht des Faktischen. Fakt ist, dass saisonal bedingt alle Großhändler europaweit ihre Läger aufstocken. Das wird zu einer künstlichen Verknappung und längeren Lieferzeiten führen. Als fast schon sicher ist davon auszugehen, dass die Preise in den nächsten Wochen aus diesem Grund anziehen werden.

Gut beraten ist, wer also jetzt bevor der Run startet – seine Bedarfe  zu den aktuell  günstigeren Preisen unterbringt.

Dynamische Grüße aus Bremen – lassen Sie es sich gut gehen!

Claudia Münster