Münsters Rückblick 

 

Unsere Erwartung für die Entwicklung des Marktes hat sich im Wesentlichen bestätigt, denn  die Preise für Flansche mit Import aus China sind nicht gefallen. Im Gegenteil: Es gab weitere Preissteigerungen für das Vormaterial im C-Stahl Bereich.  

Insgesamt ist der Markt etwas ruhiger geworden, was zum einen an der beginnenden Ferienzeit liegt. Zum anderen wurden traditionell die Bestellungen für Lageraufstockungen bereits im Mai platziert. 

Allgemeine Preisentwicklung Flansche und Rohstoffe 

 

Die Preissteigerungen für das Rohmaterial P250GH haben weiterhin angehalten. Von Anfang Juni bis zu Ende des Monats gab es insgesamt eine Erhöhung um etwa 6 %. Diese Verteuerung schlägt sich zwar nicht 1:1, sondern lediglich teilweise, auf den Flansch als Endprodukt nieder. Faktisch ergibt sich jedoch eine weitere Preiserhöhung um etwa 4%. 

Mit dem aktuellen Preis für das Rohmaterial ist der sehr hohe Stand von März  2017 erreicht. Vom dem 12 Monats-Hoch im Februar 2017, direkt nach dem chinesischen Neujahrsfest, ist der Preis für das Rohmaterial aktuell nur noch lediglich 6,5% entfernt. 

China ist mittlerweile weltweit zum drittgrößten Hersteller für Edelstahl geworden. 

Situation in China 

Der PMI (Caixin China General Manufacturing Purchasing Managers Index)  ist leicht auf 50,3 gestiegen. Dieser Index gilt als ein verläßlicher Indikator für die wirtschaftliche Entwicklung Chinas. Trotz des leicht gestiegenen Werts wird jedoch keine entscheidende Besserung der Situation erwartet. 

Insbesondere die Stahlbranche in China leidet: Anti-Dumpingzölle, Umweltschutzauflagen der Regierung, Werksschließungen, gestiegene Vormaterialpreise, extremer Konkurrenzkampf. All diese Umstände erschweren es den chinesischen Herstellern wirtschaftlich zu arbeiten.

Die Hersteller gehen mit der Situation auf typisch chinesische Art und Weise um: Da sind zum einen die Hersteller, die, um Aufträge zu bekommen, extrem günstige, marktwirtschaftlich kaum vertretbare Kampfpreise machen, da sind die anderen, die genug Lageraufträge haben und deshalb zu astronomisch hohen Preisen anbieten, um bloß keine Aufträge mehr zu bekommen. Und da sind die schwarzen Schafe der Branche, die Qualitätsminderungen (nett gesagt) in Kauf nehmen, um so die Margen zu erhöhen. 

Zum Glück gibt es noch eine weitere Gruppe und zwar unsere Partner. Diese Hersteller machen verläßliche, marktangemessene Preise und nehmen unter keinen Umständen Abstriche bei der Qualität hin. 

Binnenmärkte 

 

Die allgemeine konjunkturelle Entwicklung in Deutschland ist durchaus verhalten positiv. Insbesondere die langsam steigende Investitionsbereitschaft ist äußerst positiv zu bewerten. 

Für den Bereich der Flansche und der Rohrverbindungsteile ist die Situation zwar besser als im vergangenen Jahr, dennoch ist durchaus noch Luft nach oben. Erfahrungsgemäß zeigt sich eine allgemeine verbesserte marktwirtschaftliche Situation in diesem Marksegment um mehrere Monate zeitversetzt. 

Erschwerend sind jedoch die politischen Umstände für die gesamte Stahlbranche mit Anti-Dumpingmaßnahmen, Überkapazitäten und den allseits bekannten Problemen. 

Entgegen anderslautenden Ankündigungen erwarten Branchenkenner sich keine entscheidenden Verbesserungen der Situation durch den Ende der Woche anstehenden G20 Gipfel in Hamburg. Zu groß sind die gegenseitigen wirtschaftlichen Abhängigkeiten, als dass Impulsgebende und die wirtschaftliche Situation nachhaltig verbessernde Entscheidungen getroffen werden können.

Die Wirtschaftvereinigung Stahl hat zum Gipfel ein Positionspapier eingereicht und setzt sich so einmal mehr für fairen und offenen Handel ein.  

Ausblick oder mein Blick in die Glaskugel 

 

Die Märkte machen die Steigerungen erfahrungsgemäß nervös. Auf Seiten der Einkaufs ist die größte Sorge, dass Einkäufe zu den höheren Preisen sich bei den Endkunden nicht durchsetzen lassen. Damit das möglich ist, ist es notwendig, dass die Preissteigerungen nachhaltig sind. 

Davon gehen wir aus! Die Preissteigerung dauern nunmehr seit neun Monaten an. Zwar gab es temporär Ausschläge nach unten, doch diese betrugen nur wenige Prozentpunkte und die Preise fielen nie auf das Niveau der „Vor-Oktober-2016“-Zeit.

Wir halten es für sehr unwahrscheinlich, dass die Preise für das Vormaterial P250GH und damit auch für die Flansche, auf das Level vor dem Beginn der Steigerungen fallen werden. Der Gründe für unsere Einschätzung sind so simpel, wie überzeugend. Für die Preissteigerungen sind nicht gestiegene Preise für Rohelemente oder eine gestiegene Nachfrage ursächlich, sondern zwei ganz andere Faktoren. Zum einen ökonomische Faktoren, wie gestiegenen Produktionskosten, insbesondere Lohnkosten. Doch der ausschlaggebende Grund ist politischer Natur. Die chinesische Regierung muss Überkapazitäten im Stahlbereich reduzieren, was Werksschließungen – und zwar sowohl vorübergehende als auch dauerhaft –  zur Folge hat.

Zum anderen stellt es die Hersteller vor eine echte Herausforderung, dass es hinsichtlich der Umweltschutzauflagen der Pekinger Regierung eine entscheidende Veränderung gibt. In der Vergangenheit erließ die Zentralregierung umweltpolitische Auflagen, die von den jeweiligen Provinzregierungen großzügig ausgelegt und zum großen Teil umgangen worden sind.

Diese Zeiten sind wohl vorbei.

So, zum Abschluß noch der Blick in die Glaskugel: Ich gehe davon aus, dass die Vormaterialpreise im Juli stabil auf dem aktuellen Level bleiben werden. Aber wie wir schon aus den vergangenen Monaten wissen: Diese Einschätzung bleibt trotz alledem genau  das – nämlich ein Blick in die Glaskugel.

Deshalb zum Abschluß mein üblicher Rat:

„Was Sie heute kaufen, kann nicht morgen schon teurer sein.“ 

Dynamische Grüße aus Bremen – und lassen Sie es sich gut gehen!

Claudia Münster