Münsters Rückblick 

Nach der Sommerpause, die wir mit einem sehr interessanten Interview mit Frank Harms, dem Vorsitzenden der Fachvereinigung Stahlflanschen beendet haben, ist nun auch der Rückblick auf die Märkte wieder zurück.Ich freue mich, dass Sie wieder dabei sind.

Wir blicken dieses Mal deshalb nicht nur auf einen Monat, sondern auf den gesamten Sommer 2017 zurück. Und der hatte es in sich. Im Juli sind die Preise wie erwartet stabil geblieben. Aber seit dem hat sich viel getan.

Allgemeine Preisentwicklung Flansche und Rohstoffe 

Die relative Stabilität der Preise im Juni und Juli war Anfang August vorbei. Die Preise sind kontinuierlich gestiegen und haben im September ein Allzeithoch erreicht. Das Vormaterial ist bis auf einen Preis von RMB 4.500 /Tonne angestiegen, was sich deutlich und empfindlich in den Preisen für Flansche niederschlug. Anfang Oktober hat der Preis für P250GH um etwa 7% nachgegeben. 

Auch im Edelstahlbereich hat es überraschende und extreme Steigerungen beim Vormaterial gegeben, wie schon lange nicht mehr. Unsere Hersteller boten nicht einmal mehr mit den  sonst üblichen Bindefristen, sondern nur noch tagesaktuell an.  

In diesen Tagen sind die Preise stabil, was den Ferien in China auf Grund des Nationalfeiertags geschuldet ist. Kenner der Branche erwarten, dass die Preise dann erneut ansteigen werden.

Situation in China 

Denn die bisherigen Preissteigerungen sind nicht einer gestiegenen globalen Nachfrage geschuldet, sondern im Wesentlichen  auf drei Gründe zurückzuführen.

Erstmals meint die chinesische Regierung es offenbar ernst damit, bessere Umweltbedingungen zu schaffen. Das hat sicherlich auch damit zu tun, dass das Gesundheitsbewusstsein der Chinesen wächst und die Menschen immer weniger bereit sind für Wirtschaftswachstum in einer gesundheitsgefährdenden Umwelt zu leben. Das hat Peking erkannt und dieses Jahr mit einem eisernen Besen bestehend aus knallharten, regulierenden Anordnungen und einer Heerschar von kontrollierenden Inspektoren bei den schwarzen Schafen der Branche aufgeräumt.

Der Sommer in China war geprägt von diesen rigerosen Maßnahmen. Zahlreiche Stahlwerke ebenso wie Herstellerwerke für Flansche und  Fittinge wurden geschlossen. In der Provinz Shandong  kam die Produktion von Flanschen nahezu zum Erliegen. Alle Werke, die nicht die strengen Umweltschutz-Anforderungen erfüllen konnten, wurden umgehend stillgelegt. Diese Maßnahme betraf nahezu alle Werke in der Provinz. 

Der Weg aus dieser Stilllegung führte nur über einen Weg: Erfüllung aller angeordneten Umweltschutz-Maßnahmen, Beantragung einer Auditierung durch die zuständigen Behörden mit anschließender Freigabe. Bis heute ist erst einigen wenigen Firmen die Rückkehr zur Fertigung gelungen. 

Das bedeutet, dass der gesamte Bereich der Importe, die üblicherweise aus dieser Region kommen, in den Sommermonaten ein Totalausfall war. Diese Region ist produktionstechnisch und preislich sehr stark bei der Herstellung von glatten und blinden Flanschen. Diese Flansche mussten nun um den Totalausfall zu kompensieren in der Provinz Shanxi beschafft werden, was zu höheren Preisen und längeren Lieferzeiten führte. 

Auf längere Lieferzeit mussten wir uns in diesen Monaten insgesamt einstellen. Bedingt durch die Werkschließungen im Bereich des Vormaterials haben die Werke für Flansche zum Teil erhebliche Probleme überhaupt Rohmaterial einzukaufen. Wenn sie noch vor wenigen Wochen heute bestellen und übermorgen Material geliefert bekommen konnten, ist es mittlerweile so, dass sie teilweise mehrere Wochen warten müssen. 

In solchen Marktphasen rückt der Preis in den Hintergrund und die Frage der Beschaffung in den Vordergrund. D.h. konkret, dass die Stahlwerke sich das Material sehr gut bezahlen lassen. Die Flanschen-Herstellerwerke sind gezwungen die höheren Einkaufspreise weiterzugeben.

Ein  weiterer Grund  für die Preiserhöhungen sind die gestiegenen Inlandbedarfe in China. Nach einer deutlich abgebremsten Binnen-Investitionsphase, ist die Situation im Bausektor wieder deutlich verbessert. Infrastruktelle Maßnahmen der Regierung wie z.B. der Bau von Straßen und Brücken sorgen für einen deutlich gestiegenen Inlandbedarf. 

Die Werke sind also bereits mit Aufträgen aus dem Inland gut ausgelastet.

Binnenmärkte 

Auch wenn die  wirtschaftliche Situation ist Deutschland ist weiterhin vorsichtig positiv ist und die Talsohle durchschritten zu sein scheint, ist eine Verbesserung für den Rohrverbindungsmarkt noch nicht in Sicht. Lediglich im Bereich der Haustechnik sind Zuwächse zu verzeichnen. 

In der Regel wird zwar erwartet, dass eine Verbesserung für den Industriebereich Rohrverbindungsteile um etwa ein halbes Jahr zeitversetzt nach einem insgesamt konjunkturellen Hoch eintritt; ob wir aktuell damit rechnen können, darf bezweifelt werden, da Großprojekte weiterhin fehlen und die Bedarfs insgesamt nicht gestiegen sind.

Ausblick oder mein Blick in die Glaskugel 

Seit etwa einem Jahr steigen die Einkaufspreise für Importware. Sämtliche Läger der Großhändler wurden mittlerweile zu den gestiegenen Preisen aufgefüllt. Bislang lassen sich sich jedoch die höheren Preise sehr schwer durchsetzen. Doch daran wird kein Weg vorbeigehen, denn ein Ende der Erhöhungen ist nicht in Sicht. 

Außerdem ist zu befürchten, dass es weiterhin  längere Lieferzeiten geben wird. Gerade zu den Peakzeiten, wenn typischerweise die Aufstockungen für die Läger platziert werden.

Dynamische Grüße aus Bremen – und lassen Sie es sich gut gehen!

Claudia Münster