Münsters Rückblick 

 

Die seit Monaten andauernde Entwicklung hat sich im November fortgesetzt: Das heißt, die Turbulenzen in der Flanschenwelt hielten weiter an. Lieferzeiten wurden weiter länger und ebenso hatten wir weiterhin mit gestiegenen Preise zu tun. 

Aber es gab auch überraschende Neuigkeiten, die ein ganz neues Licht auf die Entwicklungen im Markt  geworfen haben. 

Allgemeine Preisentwicklung Flansche und Rohstoffe

Während der Oktober bei den Preisen für den Werkstoff P250GH nur kleinere Schwankungen aufgewiesen hat, war der November von einem durchgehenden Preisanstieg geprägt. Zum Monatsende betrug die monatliche Steigerung satte 10%! 

Der Werkstoff P250GH ist damit auf einem Allzeithoch angelangt. Wir sollten uns darauf einstellen, dass die Preise zumindest bis zum chinesischen Neujahrsfest Mitte  Februar 2018 weiterhin ansteigen werden.

Ebenso ist der Nickelpreis im November weiter im Aufwärtstrend geblieben. Auf das Monatsende bezogen gab es eine weitere Steigerung um 9,6%.

Der Preis für Kokskohle hingegen ist auf dem gleichen Level geblieben. 

Situation in China  

 

Wie in den letzten Neuigkeiten vom Markt und auch in diesem Artikel angekündigt, sind im November die umfangreichen umweltpolitischen Maßnahme der Regierung in Kraft getreten, was mit umfangreichen Werksschließungen und Reduzierung der chinesischen Produktionskapazitäten einher ging.

Die neuen  Maßnahmen, die an den Beginn der Heizperiode am 15.11. gebunden waren, kamen  kurioserweise bereits zu Beginn des Monats zum Tragen. Offenbar sind die Inspektoren vor Ort strenger als sie es sein müssten oder die Anweisungen der Regierung sind noch rigider als in der Öffentlichkeit bekannt. 

Doch es sind nicht nur die umweltpolitischen Maßnahmen der chinesischen Regierung, die für dieser extremen Aufwärtsspirale der letzten Monate bei den Preisen sorgte. Bislang nahm die westliche Welt fast unisono an, dass die Preissteigerungen rein politischer Natur sind. Konkret: Es wurde angenommen, dass  die Stillungen von Stahlwerken im Wesentlichen marode Betriebe betrafen und die Kapazitäten komplett ausreichend seien um sowohl die Inland- als auch die Auslandbedarfe zu decken. 

Kürzlich gab die  Worldsteel Organisation eine Korrektur zur Entwicklung der Bedarfe an Stahl für 2017 und 2018 heraus. Warum die Korrektur notwendig war, ergab sich aus einer kleinen, eher unscheinbaren Randnotiz. Doch der Inhalt der Radnotiz ist eher kleine Sensation als lediglich eine Anmerkung. Denn während noch im April für den chinesischen Stahlbedarf – basierend auf den chinesischen Angaben – eine Null-Runde für 2017 erwartet wurde, erklärte diese unauffällige Notiz diese Schätzung für hinfällig.

Was war passiert? In den  statistischen Angaben aus April waren nicht die chinesischen Inlandsbedarfe erfasst, die bislang regelmäßig bei den veralteten Stahlwerken mit Induktionsöfen gedeckt wurden. Bedingt durch die Werksschließungen auf Grund der umweltpolitischen Maßnahmen der Regierung in 2017 stehen diese veralteten Fertigungsstätten zur Bedarfsdeckung nun aber nicht mehr zur Verfügung. Deshalb wird der Bedarf bei den verbleibenden, noch produzierenden Stahlwerken gedeckt. 

Konsequenterweise musste die statische chinesische Bedarfserwartung für 2017 dementsprechend korrigiert werden und zwar um satte 12,4% nach oben oder in Zahlen: Für 2017 ein erwarteter Mehrbedarf von ca. 765 Millionen Tonnen!

Das bedeutet, dass der reale Inlandsbedarf in China  extrem gestiegen ist, bei gleichzeitiger Reduzierung des Angebots, was wiederum den Gesetzen der Marktwirtschaft folgend zu höheren Preisen und schwerer Beschaffbarkeit führen musste.

Binnenmarkt

Für den Binnenmarkt wird weiterhin von leichten Impulsen und einem leichten Wachstum sowohl im verarbeitenden Gewerbe als auch bei der Industrieproduktion ausgegangen.

Ausblick oder mein Blick in die Glaskugel 

Auf Grund der jüngsten Berichte der Worldsteel Organisation korrigieren wir unsere Einschätzung, dass die Preissteigerungen in China primär politischen und protektionistischen Charakter haben. Bei einem derartig gestiegenen Inlandsbedarf ist eine deutliche Preissteigerung nur konsequent und letztendlich unvermeidbar. 

So sehr diese neuen Informationen unsere Bewertung der Situation  beeinflussen, so bleibt doch eine gehörige Skepsis in Bezug auf die  Qualität der Daten, die von chinesischer Seite zur Verfügung gestellt werden, zurück. Um so wichtiger ist es für uns, weiter so viel Informationen wie möglich zu sammeln und auszuwerten, um in einen schwer kalkulierbaren Markt etwas Klarheit für Sie zu bringen.

Verbindende Grüße aus Bremen – und lassen Sie es sich gut gehen!

Claudia Münster