Münsters Rückblick 

DAS Thema, das uns das gesamte Jahr begleitet hat – die Preissteigerungen beim Werkstoff P250GH – bildet auch bei der Rückschau auf den Dezember 2017  – den Schwerpunkt. Der vergangene Monat hielt in dieser Hinsicht keine wirklichen Überraschungen parat.

Allgemeine Preisentwicklung Flansche und Rohstoffe

Es blieb stattdessen alles wie gewohnt. Das Preis-Allzeithoch von 4.600 RMB /Tonne beim P250GH im November 2017 wurde bereits in der ersten Dezember Woche mit einer weiteren Preiserhöhung von 2,5% überboten, um dann ab Mitte des Monats das neue Allzeithoch von 4.800 RMB / Tonne zu erreichen. Auf diesem Preisniveau hält sich der Preis bis heute. 


Die Produktion im Edelstahlbereich stieg in den ersten neun Monaten 2017 nach den aktuellen Zahlen  um 7,4%. Im schwarzen Bereich gab es bei der Produktion im November eine weitere Steigerung der Produktion von 3,2%. Diese Zahlen passen nicht gerade zu den Beteuerungen die Überkapazitäten abzubauen und sind deshalb etwas irritierend.

Situation in China  

Die seit Mitte November laufenden Maßnahmen zur Reduzierung der Umweltbelastung, die die Produktionskapazitäten der Stahlwerke reduzieren oder gegen Null fahren, sind mittlerweile deutlich spürbar.

Unsere Partner bieten häufig mit erheblich längeren Lieferzeiten an, da die Beschaffung des Rohmaterials deutlich schwieriger geworden ist. Hinzukommt eine Kalkulations-Unsicherheit hinsichtlich der Lieferzeit. Vor der Verknappung konnten die Produktionsstätten für Flansche mit einer exakten Beschaffungszeit kalkulieren. Aktuell ist es so, dass die Vormaterial-Bestellungen plaziert werden und der genaue Lieferzeitpunkt unklar ist. Da können zwischen Bestellung des Flanschenherstellers und Lieferung des Vormaterials an ihn schon mal zwei Wochen vergehen, statt der zuvor üblichen Lieferung innerhalb von etwa 48 Stunden für Standard-Werkstoffe. 

Erschwerend kommt hinzu, dass nicht nur die Stahlwerke betroffen sind, sondern gelegentlich auch die Hersteller der Flanschen selber und zwar auch dann, wenn sie bereits auf die saubere Energiequelle Gas umgestellt haben. Wenn in der Vergangenheit gelegentlich Strom im Winter limitiert wurde, trifft dies nunmehr auch für die Verfügbarkeit von Gas zu. 

Gerade in der Region Shandong sind die Werke besonders betroffen. In dieser Provinz dürfen einige Werke lediglich 50% ihrer regulären Produktionszeiten nutzen; in der anderen Zeit muss die Produktion gestoppt werden (oder es fehlt Gas und ein anderes Mal gibt es eben keinen Strom). 

Ausblick oder mein Blick in die Glaskugel 

Die alles entscheidende Frage ist nun: Was bringen die nächsten Wochen in Bezug auf die Preise?

Natürlich kann ich nicht wirklich in die Zukunft schauen, doch für die nächsten Wochen lege ich mich fest. Ich gehe davon aus, dass die Preis beim Werkstoff P250GH bis Anfang März nicht signifikant sinken werden. Die Kombination zweier Umstände macht eine Reduzierung extrem unwahrscheinlich. Zum einen dauern die einschneidenen Umweltschutz-Maßnahmen noch bis zum 15.03.2018 an, was weiterhin für Verknappung sorgt. Zum anderen findet Mitte Februar das Chinesische Neujahr und die anschließenden nationalen Ferien statt, was in der Vergangenheit immer zu einer – wenn auch zum Teil nur kurz angehaltenen – Preissteigerung geführt. Für eine Reduzierung der Preise bis dahin spricht unter Berücksichtigung dieser brisanten Kombination nichts. Kein einziger Faktor könnte für eine entsprechende Einschätzung herangezogen werden.

Verbindende Grüße aus Bremen – und lassen Sie es sich gut gehen!

Claudia Münster