Münsters Rückblick

Traditionell ist in der Flanschen-Welt der September der Monat, in dem die Großhändler ihre Lagerbestellungen für Lieferungen zum Jahresbeginn platzieren. In diesem Jahr hat es eine Verschiebung in den Oktober /November gegeben, was insbesondere darauf zurückzuführen ist, dass im Großhandel weiterhin die Sorge besteht, zu teuer einzukaufen.

Diese Sorge wurde noch verstärkt durch Gerüchte am Markt, dass die Preise Anfang des Jahres deutlich sinken werden.

Preisentwicklung Flansche

Die Vormaterialpreise für den Werkstoff P250GH in China  sind im Oktober 2018 mit 5.150 RMB/ pro Tonne gestartet  und genau dieser Preis hat sich den kompletten Monat über stabil gehalten. Das bedeutet, dass seit genau zwei Monaten exakt ein Preis sich eingependelt hat. Und zwar ohne Schwankungen.

Dennoch senken seit einigen Tagen einige Hersteller die Preis um etwa 3,5%.

Wie ist das möglich?

mögen Sie sich fragen. Die Erklärung ist sehr simpel und irgendwie auch “chinesisch”. Die chinesische Regierung hat die Export Tax Rebate, das ist eine Steuererstattung für Exporteure von 9 % auf 13% erhöht, was einem Mehr-Ertrag von 4% entspricht.

Einige wenige Hersteller geben diesen finanziellen Vorteil an uns weiter, was wir dann wiederum gern an Sie weitergeben.

Dieser finanzielle Vorteil hat jedoch nichts mit einer normalen Preisentwicklung zu tun. Nach unserer Einschätzung werden sich nach einigen Wochen die Preise auf einem Leven von etwa minus  2% einpendeln.

Situation in China

Die Steuerrückerstattung für Exporteure ist zweifellos als protektionistische Maßnahme der Regierung einzuordnen, um die Auswirkungen der US Strafzölle für die betroffenen Branchen abzumildern.

Ob die Unternehmen der Stahlbranche diese Unterstützung tatsächlich brauchen, darf bezweifelt werden. Denn rein faktisch hat die chinesische Stahlbranche, die in den vergangenen Jahren vom ehemaligen Lieblingskind des Staats zu  einem verschmähten Stiefkind mutiert ist, in den ersten drei Quartalen 2018 ein Hoch erlebt wie schon seit Jahren nicht mehr. Die Steigerung des chinesischen  Bruttoinlandsprodukts um etwa 6% ist unter anderem auf die gesteigerte Inlandnachfrage im Bereich Maschinenbau, Bauindustrie und in der Automobilbranche zurückzuführen.

Auch wenn die Steigerung des Bruttoinlandsprodukt in dieser Höhe teilweise angezweifelt wird, deckt sich unsere Erfahrung in den ersten drei Quartalen exakt mit den Auswirkungen. Es wurde zunehmend schwieriger Aufträge zu platzieren zu akzeptablen Preisen und Lieferzeiten. Zum Teil war es offensichtlich, dass einige Hersteller kein Interesse an neuen Aufträgen hatten, weil sie die Hütte voll hatten.

Ausblick oder mein Blick in die Glaskugel

Nach unserer Einschätzung wird es  – bis auf die aktuelle leichte Reduzierung  – keine weiteren Preissenkungen geben. Das ist auf mehrere Umstände zurückzuführen.

  1. Aktuell werden eine Vielzahl von Aufträgen am chinesischen Markt platziert…. Angebot / Nachfrage ….;)
  2. Alle Aufträge, die nicht jetzt, sondern erst im Dezember platziert werden, fallen definitiv in das chinesische Neujahrsfest, was wiederum zu längeren Lieferzeiten und höheren Preisen führt.
  3. Nach dem chinesischen Neujahrsfest wird es mit großer Wahrscheinlichkeit zu personenellen Problemen kommen. Wie in jedem Jahr werden zahlreiche Arbeiter nicht an ihre Arbeitsplätze zurückkehren. Das wiederum erschwert die Produktionssituation. Und das wiederum führt ganz sicher nicht zu Preissenkungen.

Wenn Sie regelmäßig über die aktuelle Entwicklungen am Markt informiert werden wollen, abonnieren Sie unseren Newsletter hier. Wir werden Sie regelmäßig etwa zweimal im Monat mit News versorgen. Spam-frei – versprochen.

Wir teilen also nicht die am Markt kursierenden Gerüchte über extreme Preissenkungen in der Flanschen-Welt.

Mit verbindenden Grüßen

Claudia Münster