Über Marktpreise kann man lediglich spekulieren.

Genau das passiert seit Monaten in der Flanschen-Welt für C-Stahl Produkte. Gehen die Preise rauf? Fallen sie? Wie wird sich das chinesische Neujahrsfest auf das Preisgefüge auswirken? Hat die chinesische Heizperiode – wie der Vergangenheit – Auswirkungen auf die Preise? Kommen die Arbeiter nach dem Neujahrsfest wieder zurück in die Werke?

Spekulation sind – wen wundert es – immer spekulativ. Dieser Umstand wird natürlich dabei immer berücksichtigt. Dennoch ist die Analyse der Situation unter Heranziehung von Aspekten, die in der Vergangenheit immer einen entscheidenen Einfluss auf die Preisentwicklung genommen haben, in gewisser Weise verlässlich. Denn diese Faktoren haben bislang immer eine Rolle gespielt. Dann noch rasch die aktuellen Rohstoffpreise gecheckt und so hat sich eine Vorhersage auf die Entwicklung erstellen lassen, die gute Chancen hatte, genauso auch einzutreten.

Die Situation hat sich jedoch gründlich verändert.

Ja, alle diese Faktoren spielen immer noch eine gewisse Rolle für die Preisentwicklung von C-Stahl Flanschen aus China. Aber die Faktoren wurden ergänzt um einen kompletten Perspektivenwechsel und den Wechsel auf welcher Ebene die Entscheidungen getroffen werden. Ich lasse dabei die oberste, politische Ebene außer Acht, denn die lenkende Rolle des großen Bruders ergibt sich von selbst.

Neu ist, dass die Gründe für die Preisentwicklung primär auf der Ebene der Stahlindustrie. Und die dortigen Entwicklungen haben dazu geführt, dass die Preise für chinesische Importflansche in den letzten Jahren massiv gestiegen ist.  Für die extremen Preissteigerungen gibt es drei wesentliche Gründe.

Erstens hat die eindeutige Entscheidung für eine bessere Luftqualität und die Reduzierung der  Emmissionen in China dazu geführt, dass Stahlwerke sich primär auf die Verwendung von möglichst reinem Eisenerz fokussiert haben, was zu einer geringeren Einsatz von Kohle für die Herstellung des Stahls führt. Die Reduzierung des Kohleverbrauchs steht in direkter Beziehung zur benötigten Menge. Die Ersparnis liegt im hohen zweistelligen Prozentbereich.

Die zweite Ursache ist die stringend betriebene Rationalisierung von Stahlwerken in den vergangenen Jahren. Diese Maßnahme ist zum einen auch der Luftreinheit geschuldet, dient zum anderen auch extrem dem Abbau von Überkapazitäten bei der Stahlproduktion. In 2016 und 2017 wurde die chinesische Stahlproduktionskapazität um 110 Mio. Tonnen reduziert und bislang in 2018 nochmal um 40 Mio. Tonnen. So sind die uneffektiven, Luft verschmutzenden Dreckschleudern mittlerweile komplett verschwunden.

Es kommt noch ein dritter Punkt hinzu und das ist die ganz bewusste Ausrichtung auf die Produktion von höherwertigerem Stahl. Diese Richtung wird konsequent durchgezogen, denn die Gewinnmargen sind in diesem Bereich sehr lukrativ. Warum weiter minderwertigen Stahl produzieren, wenn sich doch andersherum eine sehr viel bessere Möglichkeit zum Profit ergibt? Diese Geschäftspolitik wird sehr stringend verfolgend. So hat gerade vor wenigen Tagen die australische Fortescue Metals Group bestätigt, ein noch höherwertigen Material herzustellen (60% Eisenerzgehalt), um den entsprechenden chinesischen Bedarf zu decken.

Während die beiden ersten Gründe eine Fortsetzung der Entwicklung der letzten Jahre und der entsprechenden Politik sind, ist die Ausrichtung zu profitablen Stahlsorten eine relativ neu, stark marktwirtschaftliche Ausrichtung. Natürlich wird diese Entwicklung nicht unbegrenzt so weitergehen. Aber eine kurzfristige Veränderung oder auch ein Paradigmenwechsel ist nicht zu erwarten.

Das heißt für die kleine Flanschen-Welt, dass zu den bekannten Faktoren, noch ein paar weitere Faktoren aus dem Big Business im Lauf der Jahre hinzugekommen sind. Deren Analyse ist jedoch nicht so berechenbar, wie die spekulativen Faktoren der Vergangenheit. Genau deshalb wird es auch noch schwieriger über die Preisentwicklung zu spekulieren.

Wir werden also weiterhin den Markt beobachten und Sie auf dem Laufenden halten.

Verbindende Grüße aus Bremen

 

Claudia Münster