Münsters Rückblick

RIEN NE VA PLUS

Wir sind zwar hier nicht im Casino, aber die Preisentwicklung im November hat gezeigt, dass Einschätzungen hinsichtlich der Preise – auch unter Berücksichtigung aller Faktoren – ein Blick in Glaskugel bleiben. So lag ich dieses Mal mit meiner Einschätzung hinsichtlich der Preisentwicklung für C-Stahl Flansche daneben.

Die Preise sind gesunken und zwar massiv. Ursächlich dafür sind verschiedene, globale Faktoren, die die chinesischen Preise entscheidend beeinflusst haben. Sei es die etwas schwächelnde, konjunkturelle Situation in Europa sowie die angespannte Situation zwischen China und den USA aufgrund der Strafzölle und Sanktionsmaßnahmen. Ebenso hat der Verfall der türkischen Lira und die damit verbundenen gesunkenen Verkaufspreise der Stahlindustrie, Auswirkungen auf den allgemeinen globalen Preisverfall.

Preisentwicklung Flansche

Die Vormaterialpreise für den Werkstoff P250GH in China  sind im November 2018 mit 5.150 RMB/ pro Tonne gestartet. Lediglich ein Hersteller hat gleich zum Monatsbeginn die 4%ige Preissenkung, die sich durch Erhöhung der Ausfuhrsteuererstattung ergeben hat, an uns weitergegeben. Im Laufe des Monats machte sich diese Reduzierung bei allen Anbietern bemerkbar. Soweit war die Entwicklung noch “normal” und vorhersehbar.

Nach Ablauf der ersten Dekade des November fielen die Preis jedoch weiter. Die Reduzierung ging täglich weiter bis zum Monatsende und zwar um insgesamt satte 13% bei den Vormaterialpreisen. Die Preise des Vormaterials sind nie 1:1 mit dem Preise für die Endprodukte gleichzusetzen, sondern etwa jeweils in einem Verhältnis von 3:4. Das heißt konkret, dass die Preise für die Flansche im November um ca 10% gesunken sind. Von dieser Erhöhung sind 4% für die veränderte Steuerpolitik in Abzug zu bringen, so dass die reale Reduzierung 6% betrug.

Situation in China

In China ist die Situation unverändert. Das Land hat weiter einen stabilen Binnenmarkt bzw. eine gute Inlandsnachfrage nach Stahlprodukten.

Weiterhin leidet das Land – wie in jedem Winter – in den Ballungszentren extrem unter Smog, der in der Heizperiode trotz der massiven Umweltschutzmaßnahmen immer noch ein großes Problem ist. Die Politik weicht keinen Jota von den ergriffenen Maßnahmen ab, was wiederum  – wie seit Jahren – zu einer angespannten Produktionssituation führt und damit gelegentlich auch zu verlängerten Lieferzeiten. Auch für die nächsten Monate wird es bei längeren Lieferzeiten bleiben aufgrund der Bereinigung des Marktes.

Ausblick oder mein Blick in die Glaskugel

Eine Erklärung für diese spezielle Entwicklung innerhalb des chinesischen Marktes gibt es, abgesehen von den globalen Faktoren, nicht. Ebenso wenig wie es eine Erklärung gibt, warum die Preise zu Beginn diesen Monats um 4% gestiegen sind. Was wiederum bedeutet, dass zum Stichtag heute die Preise von Beginn November an um etwa 6% gesunken sind. Nach Abzug der 4% aufgrund der Steuergeschichte bleibt eine reale, d.h. marktbedingte  Veränderung um 2%.

Eine Veränderung in dieser Größenordnung ist keineswegs extrem und absolut im normalen Bereich. Tatsächlich liegt der Preis für P250GH damit exakt auf dem Niveau von Dezember 2017 und damit immer noch auf einem sehr hohen Niveau. Es bleibt abzuwarten, was die kommenden Wochen bringen. Insbesondere darf man auch gespannt sein, wie sich die endgültige Entscheidung der EU über Schutzmaßnahmen auswirken wird. Ein Abschluss dieser Untersuchung wird für Ende Februar erwartet. Vorhersehen können wir das nicht. Was aber die Entwicklung im Laufe des Novembers und die dem entgegenlaufende Entwicklung Anfang dieses Monats zeigt, ist, dass eine verlässliche Prognose, und die damit verbundene Illusion des RICHTIGEN Einkaufs-Moment, nicht möglich ist. Fakt ist, bereits morgen könnten wir aus China die Info erhalten, dass die Preise erneut um 5% gesunken sind. Aber ebenso gut möglich ist eine Mitteilung über einen 6%igen Preisanstieg.

Unsere Empfehlung an Sie in einer derart unsicheren Situation lautet daher: Kaufen Sie lieber entsprechend Ihrer Bedarfe als auf den besten Moment zu warten.

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Mit verbindenden Grüßen

Claudia Münster