Münsters Rückblick

Wie erwartet, gab es keine großen Ereignisse in the World of Flanges. Es blieb den ganzen Monat über ruhig und verhalten. Dafür gibt es mehrere Ursachen.

Zum einen ist die unveränderte Situation in China dafür ursächlich. Zum anderen war der Stahlmarkt insgesamt verhalten, weil die Branche angespannt die Entscheidungen der EU bezüglich der Safeguards-Maßnahmen abgewartet hat. Zu beiden Aspekten komme ich noch genauer.

Preisentwicklung Flansche

Der Vormaterialpreis für den Werkstoff P250GH in China  ist im Januar 2019 mit 4.700 RMB/ pro Tonne gestartet. Das bedeutet eine zu vernachlässigende Reduzierung der Preise im Vergleich zu den Preisen im Dezember um etwa 1%. Auf diesem Niveau blieb der Preis stabil.

Anders ist die preisliche Situation beim Werkstoff 1.4571 in China. Hier ist der Preis von Dezember bis Ende Januar um etwa 5,5% gefallen, was sich mit korrespondierenden Preisreduzierungen beim Einkauf Flansche Edelstahl bemerkbar gemacht hat. Die Kenner der Szene wissen, dass genau das nicht selbstverständlich ist, denn die Preisvorteile der Werke beim Einkauf des Vormaterials werden in der Regel nicht 1:1 an die europäischen Kunden weitergegeben.

Situation in China

Wir arbeiten schon sehr lange mit chinesischen Partnern. Doch es gab noch nie einen Winter, in dem es nicht zu Lieferverzögerungen auf Grund von Energie-Kürzungen kam. In der Vergangenheit war mit schöner Regelmäßigkeit diese Maßnahme der chinesischen Regierung ursächlich für Produktionsverzögerungen.

Ob das Ausbleiben dieses Phänomen tatsächlich komplett darauf zurückzuführen ist, dass die Umweltschutz-Maßnahmen in ausreichendem Maß umgesetzt worden sind, kann von mir nicht verläßlich beurteilt werden.

Als sicher hingegen darf angenommen werden, dass es, anders als in den Vorjahren, keine Produktionsunterkapazitäten gab. Die Verknappung, die durch die in den vergangenen Jahren erfolgte strukturelle und ökologische Bereinigung der Produktionsstätten in China, ist nicht mehr vorhanden. Der bereinigte Markt ist nunmehr absolut in der Lage die Binnen- und weltweiten Bedarfe zu decken.

Mitursächlich dafür ist selbstverständlich auch der reduzierte weltweite Bedarf.

Das alles gilt ausschließlich für den C-Stahl Bereich.

Die chinesischen Flanschenwerke Edelstahl haben zum großen Teil gut gefüllte Auftragsbücher, was zu deutlich verlängerten Lieferzeiten und zum Teil auch zu erheblich Lieferverzögerungen geführt hat.

Im Handelskrieg führen China und die USA fortwährend Gespräche und werden nicht müde zu versichern, dass beiden an einer friedlichen und wirtschaftlichen Lösung gelegen sei. Bislang bleibt es im Wesentlichen bei Beteuerungen und wiederholten, höchst engagierten Shake-hands.

Ausblick oder mein Blick in die Glaskugel

Wie schon beim letzten NEUES VOM MARKT erwartet, sind die zunächst vorläufigen Safeguard Maßnahmen der EU mit der Eintragung ins Amtsblatt Ende Januar nun langfristig angeordnet worden. Die Verordnung ist ein komplexes Gebilde, inklusive Quartals-Quoten und Zuweisung von Kontingenten auf bestimmte Herkunftsländer. Unabhängig von der Frage, ob diese Maßnahmen sinn- und wirkungsvoll im beabsichtigten Sinne sein werden, darf nicht verleugnet werden, dass hier von der Politik protektionistisch in den Markt eingegriffen wird.

Ich gehe davon aus, dass diese Maßnahme kaum eine Auswirkung auf die Flansch-Preise aus China haben wird. Die leichte internationale Abschwächung des Marktes und eine Reduzierung der Bedarfe könnten hingegen schon auf die Preise drücken.

Aber auch hier gibt es – wie immer – sich widersprechende Angaben. Anders als die meisten Analysten rechnet World Steel mit einer Steigerung des weltweiten Stahlbedarfs um mindestens 1,4 %. Wenn die Angaben Chinas hinsichtlich der erwarteten Steigerung ihrer Binnenbedarfe stimmen, geht World Steel sogar von einer Steigerung des Bedarfs von weltweit 2% aus.

Zusammenfassend scheint es sich immer mehr zu verfestigen, dass die Entwicklung der Flansch-Preise von zwei Faktoren stark beeinflusst werden: Einerseits der internationalen, marktwirtschaftlichen Entwicklung unter Berücksichtigung aller relevanten ökonomischen und politischen Faktoren. Andererseits von China. Das sage ich ganz bewusst so deutlich, denn der Markt in China wird ganz klar politisch gelenkt, was zur Folge hat, dass manchmal eben nicht das passiert, was nach den Regeln der Marktwirtschaft passieren müsste, sondern etwas ganz anderes.

Es bleibt abzuwarten, ob die sonst übliche Preissteigerung nach dem Chinesischen Neujahrsfest in diesem Jahr überhaupt eintritt. In jedem Fall hält das Jahr 2019 ganz sicher einige Überraschungen für uns bereit. Wir halten Sie informiert.

Verbindende Grüße aus Bremen

Claudia Münster

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