Im April dieses Jahres haben wir Sie mit diesem Artikel über die Entwicklungen bezogen Seefracht-Kapazitäten und die preislichen Entwicklungen der Frachtraten informiert.

Damals, also vor knapp sechs Monaten, lag der durchschnittliche Seefracht-Preis für einen Vollcontainer ex China nach Deutschland grob bei USD 6.000,00. In der letzten Woche lagen die Preise bei etwa 7.000 USD und bis zum Ablauf August wird mit einer Preissteigerung auf circa USD 10.000 pro Vollcontainer gerechnet.

Diese Preise waren noch vor wenigen Jahren jenseits des Vorstellbaren. Bei einer Kalkulation mit ca. USD 1.900 pro Container war man auf der sicheren Seite. Eine Preissteigerung auf die aktuellen Dimensionen, war schlichtweg unvorstellbar.

Nun ist es so, dass in Branchen mit hochpreisigen Produkten und den entsprechenden Margen, diese Kosten von den Kunden, die in Asien beziehen, geschluckt werden können und gerade im B2C Bereich, für den Endkunden nicht zwingend schmerzhaft spürbar sind. Ganz anders sieht es auch beim Bezug von Produkten aus dem Niedrigpreis Sektor bzw. bei Serienprodukten aus, wozu Flansche und Schmiedestücke zweifellos hören. In den vergangenen Jahren war immer wieder der Preisverfall dieser Produkte im Bezug auf die doch erhebliche Wertschöpfungskette beklagt worden; ohne dass sich allerdings etwas ändert hätte. Es blieb dabei: Für den Preis eines schwarzen Vorschweiß-Flansches DN 50 gab es gerade mal einen Big Mac und ne Cola.

In diesem Bereich, also dem Bereich, in dem Sie und wir uns bewegen, haben diese Preissteigerungen erhebliche und zwar sehr empfindliche Auswirkungen. Keiner der an der Lieferkette beteiligten, kann die Preissteigerungen einfach schlucken: weder die chinesischen Hersteller, noch die Importeure und ebensowenig der Großhandel. Das bedeutet, dass die Preise an die jeweils nachfolgende Partei der Lieferkette weitergegeben werden müssen und so letztendlich auch beim B2B Endkunden landet. Bei der Weitergabe dieser Kosten muss eine erhebliche Fantasie aufgewandt werden, da übliche Bindefristen keinerlei Gültigkeit mehr haben. Wenn wir heute beispielsweise einen Auftrag in China platzieren, gibt es einzelne Hersteller, die die vertraglich vereinbarten Preise lediglich in Bezug auf die Flansche garantieren. Für die Frachtkosten hingegen bestehen einige Hersteller auf eine flexible Sonderreglung, mit der sie die Preissteigerungen, die sich nach Platzierung des Auftrages ergeben, an uns weitergeben. Was da passiert, ist eine teilweise Aushebelung der Lieferbedingungen, die wir diesen Herstellern nicht vorwerfen, da sie einvernehmlich geschieht und den extremen Umständen Rechnung tragen.

Nun wäre die Situation „einfach“ zu handhaben, wenn alle unisono die Preissteigerungen weiterreichen und dieser zum Schluß beim Endkunden landet. Da wir (glücklicherweise) nicht in Kartell-Bedingungen, sondern in einem freien Markt sind, weicht die Realität von der Theorie ab. Möglicherweise haben Sie sich bereits selbst darüber geärgert, dass es immer einige Konkurrenten gibt, die die Preise nicht weitergeben, sondern selbst schlucken und Ihnen so das Leben schwer machen.

Die Situation ist also alles andere als einfach. Doch sie wird noch verschärft durch den Frachtraum, der nicht in ausreichendem Umfang zur Verfügung steht. War die Lage im April schon schwierig, so wurde sie jetzt noch deutlich verschärft durch die Corona-bedingte Schließung der chinesischen Häfen Yantian und (teilweise) Ningbo. Es ist noch nicht absehbar, wie lange die Häfen geschlossen sein werden. Branchen Experten erwarten massive Verzögerungen und rechnen mit globalen Lieferschwierigkeiten. „Unsere“ Verschiffungen laufen nicht über diese Häfen, aber das bedeutet leider keine bessere Ausgangslage. Denn selbstverständlich weichen Nutzer der jetzt geschlossenen Häfen nun auf die von uns in Anspruch genommenen Häfen Xingang und Shanghai aus. Jede weitere Liefermöglichkeit, wie z.B. Bahn- und Luftfracht ist ebenso dicht. Mir wurde zugetragen, dass LkW Transporte nach Europa erwogen werden.

Wir hätten gerne bessere Nachrichten für Sie. Ebenso gern hätten wir den ultimativen Lösung-Tipp für Sie. Haben wir leider nicht. Die einzige Empfehlung, die wir aktuell rausgeben können, ist es, außerhalb der Box zu denken. Also nicht erst bestellen, wenn Sie wissen, dass Sie in drei Monaten einen Bedarf haben. Sondern über die Bedarf in einem halben Jahr nachdenken und ggffls. sogar auf Halde zu bestellen. Den üblichen Bestell-Turnus – heute bestellen und in ca. drei Monaten die Lieferung erhalten – können wir aktuell nicht zusagen. In diesen Zeiten ist vielmehr Flexibilität notwendig und Mut.

Da niemand voraussagen kann, wann der Peak erreicht ist, müssen wir uns dieser Situation stellen. Wir unsererseits vertrauen den Kennern der Branche, die davon ausgehen, dass sich die Situation in 2021 nicht mehr entspannen wird.

Wenn Sie mehr Informationen brauchen oder in den Austausch mit uns gehen möchten, sprechen Sie uns an. Wir unterstützen Sie gern.

Mit den besten Wünschen aus Bremen

Claudia Münster