Münsters Rückblick

Meine Fehleinschätzungen werden irgendwie zur Gewohnheit. Im letzten Rückblick mutmaßte ich, dass der Peak fast erreicht sei. Ist er aber immer noch nicht. Die Preise für Flansche aus C-Stahl stiegen den ganzen November fröhlich weiter. Doch Ende November gab es an den Märkten eine überraschende Entwicklung. Nun aber mehr dazu.

Börsennotierte Stahlkontrakte und die Preisentwicklung 

  • Der Eisenerzpreis stieg den ganzen November an und brach am 29.11. plötzlich um 10% ein.  
  • Ebenso sah es beim chinesischen Betonstahlkontrakt aus. Den ganzen November stieg der Preis unaufhörlich, bis er Ende November um etwa 8% auf EURO 403/Tonne einbrach.
  • Lediglich im Bereich Warmstahlerzeugnisse in Europa und den USA stiegen die Preise und kommen langsam aus dem Tal heraus. 
  • Die Preise für Flansche aus C Stahl sind seit dem 18.10.2016 um satte 25% gestiegen. Bis zum Preiseinbruch Ende November waren die extrem gestiegenen Preise für Eisenerz und Kokskohle mitursächlich für. Eine weitere Ursache sind die im Winter alljährlich wiederkehrenden Energieprobleme in China. Daran scheint auch die Umstellung von Kohle- auf Gasöfen in der Industrie nichts geändert zu haben 

Chinas Produktion und Wachstum

  • Die drastisch gesunkenen Preise für Eisenerz und Kokskohle sowie der Fall des chinesischen Betonstahlkontrakts haben sich noch nicht auf die Preise des Vormaterials für C-Stahl Flansche ausgewirkt. Aktuell sind hier also noch weiter steigende Preise hinzunehmen. 
  • Die Verschmelzung ist vollzogen: Die chinesischen Stahlhersteller Baosteel Group und Wuhan Iron and Steel Group sind zu China Baowu Steel Group und damit zum weltweit zweitgrößten Stahlhersteller geworden. 
  • Chinas Wirtschaft nutzt das Momentum und wächst weiter, nachdem für zwei Jahre Krise angesagt war. Der PMI (Purchasing Manager Index) stieg im November  für den Industriebereich vom 51.2 im Vormonat auf einen Wert von 51.7.
  • Auch im 3. Quartal blieb das Wirtschaftwachstum stabil auf einem Wert von 6,7%. Damit scheint die Vorgabe der Regierung mit einem angestrebten Wirtschaftswachstum  von 6,5% in 2016 in realistische Nähe gerückt.

Binnen-Märkte 

  • Die deutsche Industrie  bleibt wegen gesteigerter Inlandsnachfrage und gestiegener Exportgeschäfte weiter auf leicht steigendem Niveau.  
  • Das Problem der Überkapazitäten im Bereich der weltweiten Stahlproduktion wird uns noch eine ganze Weile beschäftigen. Salzgitter Vorstand Heinz Jörg Fuhrmann geht von einer Periode von 7 bis 10 Jahren aus, die notwendig sind, um das Problem nachhaltig zu lösen.

Ausblick oder: Mein Blick in die Glaskugel 

Es ist mein Job den Ausblick zu wagen und ich nehme die Herausforderung an. Mit meiner vermeintlichen Fehleinschätzung vom letzten Mal hab ich meinen Frieden geschlossen. Denn zum einen war unser Tipp im letzten Blogpost, dass JETZT der richtige Zeitpunkt zum Kaufen ist, richtig. Denn der Preis ist in dieser Zeit weiter und zwar um saftige 7% gestiegen.

Die Märkte spielen anscheinend komplett verrückt und die verschiedenen Faktoren  korrespondieren alle miteinander und dann wieder doch nicht. Fakt ist, dass unsere Arbeit im Moment etwas der eines Börsenmaklers ähnelt, der sich ständig die aktuellsten Entwicklungen über’s Smartphone jagen lässt.

Tja..meine Einschätzung: Ich glaube, dass die Preise für Flansche in der kommenden Woche leicht nachgeben werden, wenn die chinesischen Vormateriallieferanten auf die Entwicklung im Bereich Kohle und Erz reagieren. Allerdings sollte es nur eine ganz leichte Sekung um 1-2% sein. Doch diese Erholung wird nur von kurzer Dauer sein, da jeder diese Chance nutzen und außerdem sein Lager für Q1 2017 auffüllen will. Dieser steigende Bedarf kombiniert mit den Faktoren: Energie-Engpässe, Weihnachtsfest und das chinesische Neujahrsfest, das 2017 auf Ende Januar fällt, wird die Preise weiter in die Höhe treiben. Die Steigerung wird bei etwa 25% liegen und sich dort für etwa 2 Monate bewegen, bis es langsam wieder nach unten geht.

Aber wie immer zum Schluss der Hinweis: Ich kann nicht wirklich hellsehen und wir alle wissen nicht, wo die Reise hingeht. Deshalb mein Tipp

“Was Sie heute gekauft haben, kann nicht morgen teurer sein.”

 Dynamische Grüße aus Bremen. Lassen Sie es sich gut gehen

Claudia Münster